Karate hilft dir auf der Straße nicht! Wir räumen mit Gerüchten auf.

Shotokan Karate ist nicht realistisch.

Niemand der sich verteidigen können will, sollte seine Zeit mit Karate verschwenden.

Wenn du kämpfen lernen willst, gehe zu Krav Maga, Systema, lerne Kickboxen oder MMA.

Es ist nicht abzustreiten, dass Karate in der Kampfkunstszene keinen guten Ruf hat.

Abgesehen vom Kyokushin Stil, der als harte Vollkontaktvariante des Karate bekannt ist, trainieren alle anderen Stilrichtungen hauptsächlich kontaktlos.

In Deutschland ist Shotokan der am meisten verbreitete Stil.

Shotokan-Wettkämpfe erinnern an ein aggressives Konditionstraining, bei dem die  Kontrahenten emsig auf der Stelle hüpfen. Die Wettkämpfe erinnern mehr an stilisiertes Schattenboxen als an einen echten Kampf. Aller Kontaktlosigkeit zum Trotz tragen die Kämpfenden mehr und mehr Schutzausrüstung.

Wieso ist das so? War Karate schon immer so? Wenn nein, was ist geschehen?

Dieser Artikel versucht, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen, mit einigen Gerüchten aufzuräumen und soll zeigen, dass diese Kampfkunst realistischer ist als man glauben mag.

Geschichte des Karate

Wenn man sich die Geschichte des Budo ansieht, kann man im groben 3 unterschiedliche Epochen herausarbeiten:

Jitsu (der Kampf um zu töten)

Do (die Harmonie zwischen Körper und Geist)

Shihai (der sportliche Wettkampf)

Aufs wesentliche beschränkt ereignete sich die Geschichte des Karate wie folgt:

Auf Okinawa wurde Karate aus der Notwendigkeit heraus entwickelt, sich unbewaffnet gegen einen bewaffneten und gerüsteten Gegner wehren zu können. Dies umfasste eine Vielzahl von Schlägen, Tritten, Griffen, Würfen, Festlegetechniken, sehr viel anatomisches Wissen und die Kenntnis über die Vitalpunkte des Körpers (Kyusho Jitsu). Trainiert wurde übergangslos von stehenden bis zu liegenden Positionen, von Halbdistanz- hin zu Nahkampfsituationen. Ziel war es hierbei immer, so schnell wie möglich die Kontrolle über den Angreifer zu gewinnen und den Kampf mit minimalem Aufwand zu beenden. Diese Form des Karate ist heute noch als „Okinawa-Te“ oder „To-De“ bekannt.

 

In Friedenszeiten nahm mehr und mehr die Notwendigkeit ab, sein Leben mit bloßen Händen verteidigen zu müssen. In eben dieser Zeit geschah mit dem To-de das, wofür Japan und Okinawa bekannt sind: aus profanen Dingen eine Wissenschaft machen, die bis hin zu einer eigenen Religion gesteigert werden kann. Man denke beispielsweise an die Japanische Teezeremonie. So geriet der Kampfaspekt des Karate mehr in den Hintergrund und die formkorrekte Ausführung der Techniken, das richtige Abknien vor und nach dem Training, der respektvolle Umgang miteinander und der Fokus auf die inneren Werte in den Vordergrund.

 

Wieder später fand nun das Karate seinen Weg von Okinawa nach Japan. Dort fand sich diese Kampfkunst sehr bald als Leibesertüchtigung im Schulsport. Dies hatte natürlich zur Folge, dass drastische Eingriffe in das bis dahin immer noch sehr gefährliche System gemacht werden mussten. Bewegungen wurden verändert, damit sie dem Leibesertüchtigungszweck gerecht wurden. Techniken wurden entschärft, damit der kleine Hideo nach der Karatestunde unverletzt in den Mathematikunterricht gehen konnte.

 

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt bei dieser Geschichte. Das, was hierzulande als „Traditionelles Shotokan Karate“ benannt wird, ist eine direkte Ableitung des Schulsportkarates aus Japan – die entschärfte Variante einer Kampfkunst, der aus Sicherheitsgründen die Waffen genommen wurden und für Leibesertüchtigung optimiert wurde.

An dieser Stelle könnte der Artikel guten Gewissens enden mit dem Ergebnis: Karate ist unpraktikabel und für die realistische Selbstverteidigung gänzlich ungeeignet.

Wenn da nicht ein Schatten aus der Vergangenheit geblieben wäre….  Eine Konstante, die über alle drei Perioden des Karate geblieben ist: die Kata.

Eine Enzyklopädie aus 27 Büchern wurden uns mit den Katas des Shotokan übermittelt. Damals wie heute ist die Kata der überlieferte Code zum Jitsu des Karate. Wer versucht, diese mit Methoden des Schulsports zu „lesen“, wird nur genau das von ihnen bekommen: Schulsport. Wer aber Lösungen gegen Griffe, Würfe, Schläge und allen beliebigen Kombinationen daraus sucht, wird überrascht sein.

Training im Hatsuun Jindo

Unser Dojo hat sich bewusst gegen den Shihai Aspekt des Karate entschieden, was nicht bedeutet, dass wir ihn nicht ins Training einfließen lassen. Unsere Aufgabe sehen wir verstärkt darin, das To-De im Karate wieder zu entdecken, die Waffen in die Techniken zurück zu bringen und eine Kunst zu trainieren, die diesen Namen auch verdient hat!

Wer sich davon überzeugen möchte, dass „unser Karate“ funktioniert, ist jederzeit im Training willkommen, um sich selbst ein Bild davon zu machen.

 

Im Karate kommt es, wie bei allem, darauf an, wie es benutzt wird. Ein Messer kann als Werkzeug in der Küche benutzt , regelmäßig rituell geschliffen oder als Waffe benutzt werden. Das Messer wird sich nicht verändern, nur die Art der Nutzung.

 

Sollte  Euch dieser Artikel skeptisch, neugierig oder einfach interessiert zurück lassen: Die Türen zum Dojo stehen weit offen, wir nehmen jeden gerne auf die Reise mit.

 

Wir sehen uns!